Pulsierendes Leben in alten Höfen

Beim Frühstück gab es Knatsch mit Lea, denn sie wollte unbedingt dem KDW, dem Kaufhaus des Westens, einen Besuch abstatten und Shoppen gehen. Mich hingegen interessierten mehr die Hackeschen Höfe, bei denen man Kunst und Kultur erleben kann. Sie meinte, wir würden viel häufiger machen was ich will. Diese Behauptung konnte ich nun gar nicht nachvollziehen, denn meistens wollen wir doch das gleiche. Nur auf Shoppen hatte ich heute absolut keine Lust. Ich sagte ihr, dass zu häufige Einkaufstrips ein Zeichen für innere Unzufriedenheit sind. Das fand Lea nun gar nicht witzig, und schon war der Zoff da. Wir haben dann aber doch noch vernünftig miteinander reden können, schließlich kam sie auch zu der Ansicht, dass zu konsumistisches Verhalten schon was mit Frustration und Ersatzhandlung zu tun haben kann. Sie erzählte dann sogar von einem Beispiel, als ihr Chef ihr mal richtig Scherereien gemacht hat. Statt ihm zu sagen was Sache ist, fuhr sie aus Ärger über die Anmache ins nächste Kaufhaus und hat Dinge gekauft mit denen sie später kaum was anfangen konnte. Ich bin froh, dass ich mich mit Lea so gut wie nie lange streite, irgendwie kommen wir fast immer recht bald wieder auf einen Nenner, auch wenn sie keineswegs zu denjenigen gehört, die nur der Harmonie wegen, klein beigibt. Schließlich haben wir uns so geeinigt, dass wir dem KDW schon noch einen Besuch abstatten wollen, heute uns aber erstmal die Hackeschen Höfe angucken wollen.

So fuhren wir, diesmal wieder mit den Fahrrädern, nach Berlin Mitte, wo sich unweit des Alexanderplatzes die 1906 erbaute und erst 1997 sanierte stadtbekannte Gewerbe- und Wohnhofanlage befindet. Angesagt ist hier Leben, Arbeiten und Kultur. Das erste was uns auffiel, waren die schönen noch erhaltenen Jugendstilfassaden und farbenprächtige Klinkersteine die in einige Fassaden eingelassen wurden. Hinter den Fassaden befinden sich teilweise alte Fabriketagen, die heute von Kreativen als Büros genutzt werden. In so einer Umgebung lässt sich bestimmt gut arbeiten. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass mir die vielen Touristen, die hier auftauchen, mit der Zeit auf den Wecker gehen könnten. Lea meinte, sie würde es toll finden nach der Arbeit gleich hier in eines der Restaurants, Clubs, und Bistros gehen zu können, oder ins Varieté Chamäleon, das sich ebenfalls in diesem flirrenden Komplex befindet. Als sie vom Varieté sprach, fing sie auch gleich wieder an zu schwärmen, von alten Zeiten, in denen sie als Schauspielschülerin die „Bretter die die Welt bedeuten“ erobern wollte. Schade eigentlich, dass das nie wirklich geklappt hat. Eine Freundin, die Schauspielerin ist, würde mir auch gefallen! Als ich ihr das mal gesagt hatte, meinte sie etwas schnippisch, „dann such dir doch eine“.

Während des Mittagsessens, in einem der dortigen Restaurants, erzählte uns einer der Anwohner, dass die Nazis die Höfe mit ihren Wohnungen, Läden, Festsälen, und Bordellen verabscheuten. Der damalige Eigentümer wurde enteignet und die 179 jüdischen Mieter und Gewerbetreibenden deportiert und von der SS ermordet. Die Hackeschen Höfe selbst, überstanden die Bombenangriffe des zweiten Weltkriegs fast unbeschädigt.

Für den Nachmittag schlug Lea einen Besuch in der Unterwasserwelt von  „Sea Life Berlin“ mit seinem AquaDom vor, das sich nur wenige hundert Meter von unserem ersten Ausflugsziel befand.

Auch wenn wir eine ganze Weile an der Kasse anstehen mussten, hat sich der Besuch gelohnt. Hier gibt es einen packenden Rundgang, der von der Quelle der Spree bis in den Atlantic führt. Über 30 verschiedene Becken bieten staunende Einblicke in die unterschiedlichen Unterwasserwelten, mit einer Vielzahl von Fischen in allen Größen und Farben. In einem dieser Becken konnte wir auch einen Taucher sehen, der die Fische fütterte. Lea kam dabei auf die Idee, dass wir nach unserem Berlintrip, der morgen zu Ende geht, doch noch irgendwo am Mittelmeer einen kleinen Tauchurlaub machen könnten. Auch ich fand ihre Idee gut, sagte aber, dass wir das nur machen sollten, wenn wir einen günstigen Lastminute-Flug ergattern können.

Zum Abschluss unseres Aufenthalts im „Sea Life“ fuhren wir mit einem Aufzug durch den gigantischen gläsernen Schacht des 25 Meter hohen und 11 Meter breiten zylindrischen AquaDoms, der gefüllt sein soll mit einer Million Liter Meerwasser. Es war ein echter Höhepunkt für uns, auf diese Weise durch die mannigfaltigen exotischen Fischschwärme und eigenartigsten Unterwasserlandschaften zu gleiten. Es bestärkte uns sehr, uns schon bald auf den Weg zu einem schönem Tauchgefilde zu machen.

Vom Bad ins Mittelalter

Auch wenn Finn es ein wenig dekadent findet, habe ich ihn heute Morgen wieder dazu bekommen gemeinsam mit mir im Bett zu frühstücken. Ich finde es einfach herrlich den Tag so beginnen zu können. Obwohl ich mir auch noch eine andere Art vorstellen kann, gut in den Tag zu starten…

Da wir beide einen Hang zu schönen Badzubehör haben, hatten wir uns für heute Vormittag vorgenommen einem Designer-Bäderstudio, das gar nicht weit von unserem Hotel entfernt war, einen Besuch abzustatten. Dort, so sagte man uns, gäbe es sehr schöne Badmöbel, die nicht überall zu finden wären. Denn nichts langweilt Finn und mich mehr als 0815 IKEA Schnickschnack. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Im Geschäft war ein wirklich überwältigendes Angebot an faszinierenden Badaccessoires und Badezimmermöbel. Futuristisch aussehende Badewannen und Duschkabinen, die Finn gleich an seinen Lieblingsfilm „Uhrwerk Orange“ (ich finde diesen Film einfach nur furchtbar) erinnerten oder Badheizkörper und Armaturen, die aus einem Science Fiction Film hätten stammen können, erwarteten uns. Sehr beeindruckt haben mich auch die Antikmöbel im Barockstil. Wie faszierend wäre es, bei Betreten des Badezimmers einen kleinen Zeitsprung zu machen. Am meisten angetan war ich dann aber doch von einer großen Holzbadewanne, im Stil eines Fasses und einer in der gleichen Art fabrizierten Doppeldusche. Ob ich Finn dazu überreden kann, dass wir Zuhause bald mal wieder das Bad renovieren sollten?

Noch inspiriert von unseren Besuch im U-Bahn-Museum, und weil es eine gute Möglichkeit ist eine Stadt wie Berlin aus der Alltagssicht ihrer Bewohner kenenzulernen, beschlossen wir für unsere Nachmittagsaktivitäten den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Im Westen dieser beeindruckenden Stadt liegt der Stadtteil Spandau und hier befindet sich die Zitadelle. Diese imposante Renaissancefestung ist eine auffallende Sehenswürdigkeit von Berlin. Wunderbar zwischen den Armen des Flusses Havel finden hier Gäste ein umfangreiches Programm vor. Die Besucher können diese Zitadelle das ganze Jahr besuchen, denn es existiert keine Schließzeit. Besonders interessant fanden wir, dass es in den alten Gemäuern in der kalten Jahreszeit über 10.000 Fledermäuse gibt, die diese Festung jedes Jahr als Winterquartier wählen. In einem Fledermausschauraum konnten wir uns über die Lebensweise dieser putzigen Tiere erkundigen. Auch ein Museum befindet sich in der Zitadelle, in der man laufend Ausstellungen über die Stadtgeschichte erleben kann. Finn war vor allem von dem ausgesprochen großen Kunstangebot in der Zitadelle angetan. Ich finde es immer so schön, wenn wir unsere unterschiedliche Sichtweise, über das was wir gerade sehen, austauschen können, auch wenn ich manchmal gar nicht nachvollziehen kann, wie er auf bestimmte Interpretationen gekommen ist.

Am Abend haben wir uns in dem geschichtsträchtigen Gewölbe der Zitadelle noch einen Gaumenschmaus der ausgefallenen Art gegönnt. In der „Zitadellen Schänke“ erlebten wir bei einem 7- gängigen Menü in urigen Ambiente, umgeben von Bänkelsängern, Gaukler und Hexen, die rustikale Küche des Mittelalters. Eine von den Hexen, die sich in Schauspielerin Manier, kurz auf seinen Schoß setzte und ihn dabei etwas umgarnte, hatte es Finn besonders angetan. Danach schielte er während des ganzen Abends immer wieder zu ihr hin. Ja, ich kenne doch den Geschmack von meinen Finn, denn diese Hexe war alles andere als hässlich.

Ein Schloss für uns und unsere Freunde

Endich wurde es wieder ein wenig kühler, denn gestern Abend gingen über Berlin gewaltige Gewitter nieder. Nachdem Lea und ich im Hotel angekommen waren und wir uns die Zeit bis zum Abendessen damit vertrieben gemütlich einander aus dem alten Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ vorzulesen, brach ein Unwetter los, dass mit seinen grellen Blitzen und lauten Donnergetöse passend die expressionistische düstere Stimmung der Erzählung illustrierte.

Es war so angenehm, wieder von frischer Luft umweht zu werden, dass wir uns heute Morgen entschlossen dem Berliner Tiergarten einen Besuch abzustatten. Aber vorher wollten wir ins U-Bahn-Museum, das sich im U-Bahnhof Olympiastadion befindet. Heiter und beschwingt machten wir uns mit unseren Leihfahrrädern auf den Weg; was für eine Freude die Liebste in ihrem luftigen Sommerkleid auf dem Drahtesel radeln zu sehen!

Im U-Bahn-Museum konnten wir Europas größtes Stellwerk seiner damaligen Zeit bestaunen Alle Einrichtungen und Teile sind noch voll funktionsfähig. Die Herzen von Bahn-Liebhabern dürften höher schlagen, wenn das Hebelstellwerk, die Stromabnehmer oder Fahrsperreneinrichtung der U-Bahn-Tür demonstriert werden. Auf einer Schautafel wurden mit 1200 Lampen sämtliche Fahrstraßen, Signale, Weichen, und Standorte von Zügen angezeigt. Lea hätte so gerne auch eine Fahrt mit einer historischen U-Bahn gemacht, aber leider wird so etwas nur manchmal angeboten. Zumindest konnten wir einen historischen Eisenbahnwagen aus den 20ger Jahren bestaunen. Am meisten hat mich das Flair der Inneneinrichtung dieses alten Wagen beeindruckt, es ist nicht zu vergleichen mit den seelenlosen Waggons die wir heute haben.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, auch dem Berliner Tiergarten einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg dorthin, ist mir ein kleines Missgeschick passiert. Als ich mein geliehenes Fahrrad zwischen zwei hintereinander geparkte Fahrzeuge durchschieben wollte, bin ich ins Straucheln geraten und landete so blöd mit dem Lenker auf der Motorhaube eines schicken BMWs, dass ich einen dicken Kratzer verursachte. Zum Glück kam bald die Besitzerin des Fahrzeugs; so dass Lea und ich nicht auch noch Ewigkeiten warten oder gar die Polizei anrufen mussten. Ich erklärte ihr, dass für die Fahrräder, mit denen wir unterwegs waren, auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Sie war beruhigt und nahm den kleinen Vorfall ganz gelassen, für unseren Aufenthalt in Berlin gab sie uns so gar noch ein paar Tipps, was wir hier unternehmen könnten.

Weiter ging es endlich zum Berliner Tiergarten. Er ist die grüne Lunge dieser Stadt und eine große Freizeitstätte. Gerade am Wochenende treffen sich die Berliner und die Gäste in diesem Naturpark zur Erholung. Auf einer Fläche von 3 qkm können einige Sehenswürdigkeiten und Denkmäler besucht werden, darunter auch das Schloss Friedrichsfelde. Wenn ich so ein Prachtbau sehe, denke ich immer, wie toll das sein muss, in so einem Gebäude mit all seinen Freunden und Freundinnen in einer WG zusammen zu leben. Für mich käme eine Wohngemeinschaft nur deshalb dort in Frage, weil ich mit Lea die Möglichkeit eines eigenen Refugium hätte.

Als sich langsam die Sonne verabschiedete, gab es noch ein reizvolles Erlebnis, dass wir uns nicht entgehen lassen wollten. Zum Abschluss unseres Tages machten wir einen Besuch im Gaslaternen Freilichtmuseum, dass sich ebenfalls im Tiergarten zu finden ist. Über 90 historische Gaslaternen aus ganz Europa sorgen hier für eine gefühlsbetonte Stimmung und ist einzigartig in Europa. Das war genau das richtige für unsere romantische Ader. Hand in Hand schlenderten wir sentimental berührt über die illuminierten Wege, lauschten dem Zirpen der Grillen, schauten uns tief in die Augen – und kämpften zwischendurch immer wieder mit der ein oder anderen Mücke…

Grusel im Bunker und Hitzekoller

Wie schön, dass Finn auf meinen Wunsch eingegangen ist unseren Kurzurlaub in Berlin zu beginnen. Auch wenn ich schon viele andere interessante Städte gesehen habe, liebe ich diese aufregende Stadt einfach. Nach einem kuscheligen Frühstück im Bett, machten wir uns auf dem Weg in die „Berliner Unterwelt“. Diese Stadt ist nicht nur über Tage eine sehr attraktive Stadt, sondern auch unter Tage sind außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Sie verfügt über ein einzigartiges Labyrinth an unterirdischen Bauwerken. Ein eingetragener Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht diese Sehenswürdigkeiten den Besuchern zugänglich zu machen und verschiedene Touren anzubieten. Es wurde mir schon etwas schwummerig, nachdem wir uns für den  „Classic- Rundgang“ entschieden hatten, um auf diesem Bunker-Rundgang eine bemerkenswerte unterirdische Infrastruktur zu erleben. Als wenn die Zeit hier stehen geblieben wäre. Mir kam die Vorstellung, dass es schrecklich unheimlich sein müsste, hier unten alleine sein zu sein. Nach einiger Zeit merkte ich, dass auch Finn sich etwas unbehaglich fühlte. Ich hatte bei meinen Vorschlag zu dieser Führung gar nicht mehr daran gedacht, dass er Probleme mit engen Räumen hat. Der Ärmste, er hat das hauptsächlich für mich in Kauf genommen! Obwohl dieser Rundgang wirklich spektakulär war, waren wir froh nach ca. 90 Minuten und etwa 1000 Meter unterirdischer Wegstrecke wieder Tageslicht zu sehen.

Dieser Tag war unglaublich warm, auf einem Thermometer lasen wir, 38 Grad im Schatten! Ich bekam total Appetit auf ein leckeres Eis. Wir liehen uns Fahrräder aus und fanden bald einen original italienischen Eissalon. Hier saßen wir in gekühlten Räumen und schauten durch das riesige Fenster hinaus auf das Treiben der Straße. Bei einer köstlichen Cassata, einer Eisbombe die aus Himbeer-, Vanille-, und Schokoladeneis mit kandierten Früchten besteht, verbrachten wir die heiße Mittagszeit.

Viel wollten wir heute nicht mehr unternehmen, uns war einfach nur danach ein lauschiges Plätzchen zu finden, wo wir den Nachmittag verbringen konnten. Finn erzählte mir, dass er, als er noch sein Geld mit der Gitarre als Straßenmusiker verdient hatte, einen schönen Platz direkt am Wasser der Havel gefunden hatte. Er sei gar nicht weit von uns entfernt, nur ein paar Straßen weiter. Von wegen! Als wir nach fast einer Stunde, in der glühenden Nachmittagshitze, noch immer nicht den Ort gefunden hatten, fing ich an quengelig zu werden. Sein toller Platz war mir langsam egal. Die Hitze bereitete mir Kopfschmerzen und ich wollte nicht mehr weiter. Er meinte, ich sollte unsere Suche doch als Abenteuer sehen. Pah, auf so eine Art von Abenteuer, bei dem ich ein Hitzschlag bekomme, kann ich verzichten! Zum Glück haben wir dann aber bald Finns Platz aus der Jugendzeit gefunden. Es war wirklich eine sehr schöne Stelle, an die er mich hingeführt hatte. Ganz ungestört konnten wir hier, unter einem schattenspendenden großen Baum liegend,  mit Blick auf das Wasser und die vorbeifahrende Boote, den vielleicht heißesten Tag des Jahres ausklingen lassen. Eigentlich fehlte nur noch seine alte Gitarre, mit der er mir ein zu Herzen gehendes Liebeslied hätte vorspielen können.

Erneuter Aufbruch in die dufte Hauptstadt

Gestern begann unser Sommerurlaub und endlich können Lea und ich sich wieder auf Reisen begeben. Erneut zieht es uns zuerst nach Berlin. Und weil wir diesmal ein paar Tage länger bleiben wollen, haben wir uns ein nettes Hotel gebucht. Lea wollte unbedingt keine 08/15 Unterkunft und so landeten wir in einem der verrücktesten Hotels der Hauptstadt. Im „Propeller Island City Lodge“ gibt es surreale Räume und Zimmer mit schiefen Wänden. Besonders schräg fanden wir die Möglichkeit in einem Raum zu übernachten, in dem die Möbel auf dem Kopf stehen.

Unseren ersten Ausflug durch Berlin begannen wir bei der East-Side-Galerie. Diese Berliner Sehenswürdigkeit ist einzigartig, hier haben Künstler aus der ganzen Welt eine Open Air Galerie geschaffen. Über 100 Künstler aus 21 Ländern sind 1990 in die Stadt gekommen und wurden inspiriert von den Berlinern, die erfreut über das Ende der Teilung ihrer Stadt waren. Diese Euphorie veranlasste die Künstler wunderbare Motive an die ehemalige Mauer aufzutragen. So entstanden bekannte Motive wie „Bruderkuss“, „Vaterland“ und die Verewigung des Kultfahrzeuges der DDR der Trabant.

Während wir uns diesen geschichtsträchtigen Teil Berlins anschauten, erinnerte ich mich daran wie mir Lea vor Jahren davon erzählte wie ihre Schwester Svenja den Abend der Maueröffnung erlebte. Sie ist damals mit einem Schauspieler, den sie von einer Fernsehserie her kannte, fast 2 Stunden in einem Hotelaufzug stecken geblieben. Dabei kamen sich die beiden nach einer Weile so nahe, dass sie sich die Zeit damit vertrieben auf dem Teppich der Kabine eine Nummer zu schieben! Als ich Lea meine Erinnerung mitteilte, meinte sie nur, dass es schade sei das wir so etwas noch nicht gemacht hätten. Dabei wusste sie doch, dass ich unter Klaustrophobie leide!

Am Nachmittag landeten wir wieder in Kreuzberg, um dem dortigen Kaffeemuseum einen Besuch abzustatten. Da Lea leidenschaftlich gerne alle Arten von Kaffe trinkt, war sie es die vorpreschte, um sich für alte Heimröstermaschinen, gedrechselte Kaffeemühlen, Cappuccinotassen und Moccakannen zu begeistern. Ich hingegen interessierte mich mehr für die Bedingungen unter denen der Kaffee angebaut wurde. Wer sich damit einmal näher beschäftigt hat, wird seine Tasse Kaffee noch mehr zu schätzen wissen! Mit dem Kauf einer Packung Bonga Forest Chiri Organic Fairtrade Wild Coffe  aus Äthiopien, verließen wir das dufte Gebäude wieder.

Alltag lass nach

Heute ist der Tag der Abreise. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beenden wir heute unseren Urlaub. Klar freuen wir uns irgendwie auch wieder auf den Alltag, auf unsere Freunde und unsere Familien. Aber der Urlaub war gigantisch und wenn uns die Zeit und das Geld geblieben wären, hätten wir gerne noch ein paar Tage drangehängt. Wenn wir nach Hause kommen, haben wir noch zwei Tage Zeit, um uns wieder einzuleben. Diese Zeit werden wir nutzen, um die vielen Fotos, die Lea geschossen hat, anzuschauen. Danach werden wir uns mit den vielen Souvenirs, die wir in Frankreich, London, Berlin, Leipzig und Alkmaar gekauft haben, einen kleinen Schrein errichten.

Bevor wir heute Morgen unsere Koffer packten, genossen wir ein Sektfrühstück mit Erdbeeren. Lea sah schon ein wenig zerknirscht aus. Ich versprach ihr, dass wir irgendwann noch mal in Frankreich Urlaub machen würden, wofür sie mir ein dankbares Lächeln schenkte. Wir haben uns schon jetzt dafür entschieden, dass wir unseren nächsten Urlaub wieder mit der Bahn bestreiten werden, um wieder bequem verschiedene Länder und Städte besuchen zu können.

Die Koffer waren gepackt. Noch hatten wir aber ein paar Stunden Zeit, bevor es wieder zurück nach Deutschland gehen sollte. Diese Zeit nutzten wir für eine Stadtrundfahrt. Wer nach Paris fährt, sollte diese in jedem Fall einmal gemacht haben. Während einer Stadtrundfahrt kommt man an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei wie zum Beispiel dem perfekten Motiv von Lea – dem Eiffelturm. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke, wie viel Angst Lea und ich hatten, als wir mit dem Fahrstuhl zu den Aussichtsplattformen rauf gefahren sind. Ich hoffe, Lea hat nicht gemerkt, dass ich auch Bammel hatte.

Während der Stadtrundfahrt sahen wir neben dem Eiffelturm auch den Louvre, Sacre Couer und Notre Dame sowie einige andere Sehenswürdigkeiten. Es war wirklich eine aufregende Zeit in Paris. Zu schade, dass diese nun vorbei ist. Wir hatten nicht mehr viel Zeit. Also deckten wir uns in einer Patisserie mit Köstlichkeiten für unterwegs ein. Die originalen Eclairs und Petit Fours sind mit denen, die in Deutschland angeboten werden, einfach nicht zu vergleichen. Zudem nahmen wir noch Paris-Brest mit. Dabei handelt es sich um ein Brandteiggebäck, das nach dem gleichnamigen Pariser Radrennen benannt wurde. Das Gebäck erinnert an einen Fahrradreifen. Im Inneren des Teils verbirgt sich eine Buttercreme, die süchtig macht.

Nach unserem kleinen Einkauf gingen wir zurück ins Hotel, um unsere Koffer zu holen und auszuchecken. Lea nahm mich in den Arm und gab mir einen letzten Kuss, bevor es zum Bahnhof gehen sollte. Nun müssen wir aber wirklich los. Ich hoffe, der Zug lässt nicht allzu lange auf sich warten. Sonst fällt Lea und mir der Abschied vermutlich noch schwerer.

Süßes Verlangen

Heute Morgen haben wir erst mal ausgiebig gefrühstückt, um uns für die traumhafte Cote d`azur zu stärken. In einer typisch französischen Confisserie deckten wir uns mit Pralinen und Schokolade ein, bevor es an die Cote d`azur ging. Die Confisserie war ein Traum. Süßliche Düfte, die einem wahrlich die Sinne rauben können, machten sich dort breit. Man wurde so praktisch dazu gezwungen, etwas Naschwerk mitzunehmen.

Die Fahrt an die Cote d`azur dauerte etwa 2,5 Stunden. Dort wartete auch gleich die nächste süße Verführung auf Finn und mich. Wir ließen uns in einem Restaurant nieder und aßen zu Mittag. Ich liebe Apfelkuchen und so entschied ich mich für eine Tarte Tatin als Dessert, die jeden Apfelkuchen in den Schatten stellt. Bei einem Tarte Tatin handelt es sich um einen französischen Apfelkuchen mit Karamell. Eine Tarte Tatin ist eine Monsterkalorienbombe. Das Hüftgold, das dadurch entsteht, kann man aber bei diesem einzigartigen Genuss verschmerzen. An der Cote d`azur machten wir einen langen Strandspaziergang. Es war total romantisch, Arm in Arm mit Finn in Erinnerungen an die letzten beiden Wochen zu schwelgen.

Auf dem Rückweg nach Paris machten wir Zwischenstation in Tarascon. Finn wollte unbedingt noch eine Weinprobe erleben. Er meinte, das würde einfach dazu gehören, wo wir schon mal in Südfrankreich seien. In einem Touristenbüro informierte man uns über einen Weinkeller, der sich direkt am Fuße der hoch über der Rhône liegenden Burg von Tarascon befand. Es war dann ein ’98 Châteauneuf-du-Pape der uns so vorzüglich mundete, dass wir uns eine Holzkiste mit sechs Flaschen von diesem herrlichen Rotwein nach Hause schicken ließen. Der Maître des Vin erzählte uns, dass der Wein seine außergewöhnliche Qualität dem Kieselsteinboden verdankt, auf dem er gedeiht. Die Kieselsteine speichern die Wärme der Sonne, um sie nachts an die Trauben abzugeben. Leicht beduselt von dem köstlichen Tropfen, machten wir uns auf dem Weg zur Bahnstation, wo wir noch einen kleinen Imbiss zu uns nahmen, um bald darauf den Zug in die französische Metropole zu besteigen. Etwas wehmütig dachten wir während der Fahrt daran, dass es leider übermorgen schon wieder in Richtung Heimat geht.

Gegen Abend machten wir uns wieder auf zurück ins Hotel. Zuhause haben wir nur eine Dusche, also verzogen Finn und ich uns noch einmal in die traumhafte Badewanne, bevor wir ins Bett gingen. Die Köstlichkeiten aus der Confisserie von heute Morgen nahmen wir mit. Die Pralinen musste ich mit ihm teilen, obwohl ich mich wehrte. Dafür entlohnte Finn mich mit unzähligen Küssen auf all die Stellen, an denen ich es so gerne mag . Noch ein letztes Mal sollten sich unsere Lippen in diesem King-Size-Bett berühren und sich unsere Körper vereinen, bevor wir das Licht ausschalteten.

Der Eiffelturm – ein ungewöhnliches Bauwerk

Nach einem gestrigen romantischen Abend in unserem Hotelzimmer bzw. in der riesigen Badewanne, kuschelten wir uns in unser unglaublich bequemes King-Size-Bett. Wir haben in unserem Urlaub in verschiedenen Hotels und dementsprechend auch in verschiedenen Betten geschlafen, aber keines war bisher so bequem. Heute Morgen waren wir dank dieses traumhaften Bettes ausgeschlafen und voller Tatendrang. Wie wir gestern Nachmittag bereits besprochen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Eiffelturm – dem perfekten Motiv für Lea. Ich habe keine Ahnung, wie viele Fotos Lea von diesem außergewöhnlichen Bauwerk geknipst hat. Ich wusste nicht viel über den Eiffelturm. Er steht in Paris, ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde von Gustave Eiffel gebaut, nach dem er auch benannt wurde. 300 Meter ragt dieses einmalige Bauwerk in die Luft.

Ich wusste gar nicht, dass man den Turm betreten darf. Lea hat ein wenig Höhenangst. Aber mit mir zusammen hat sie sich dann doch getraut den Eiffelturm hochzufahren. Auf Treppensteigen hatte sie dann doch keine Lust. Also sind wir mit dem Fahrstuhl den Turm rauf gefahren. Lea hatte erst totale Angst und ich dachte, sie würde mir die Hand brechen, so sehr krallte sie sich fest. Dass mir auf einer Höhe von etwa 50 Meter auch ein wenig schwummerig wurde, versuchte ich gekonnt zu überspielen. Im ersten und zweiten Stock des Eiffelturms ist sogar ein Restaurant untergebracht. Das im ersten Stock besuchten wir später noch, um uns für unseren Mut zu belohnen.

Der Eiffelturm hat drei Aussichtsplattformen und wir haben alle besucht, sodass wir uns am höchsten Punkt auf einer Höhe von etwa 250 Metern befanden. Lea hatte später auch keine Angst mehr. Ich zugegebenermaßen umso mehr. Aber die traumhafte Aussicht auf Paris war so atemberaubend, dass sie einfach für jegliche Panik entschädigt. Lea war heute den ganzen Tag noch total aufgeregt. Paris ist so eine romantische Stadt, die bestimmt sogar eine alte Liebe wieder neu aufflammen lassen würde. Unsere Liebe ist noch genauso lebendig wie seit dem ersten Tag, aber das romantische Flair der Stadt kann einem ganz schön den Kopf verdrehen. Deshalb ist es nun auch für mich an der Zeit ins Bett zu gehen und mit Lea zu kuscheln, bevor wir schlafen.

Froschschenkel in Aspik

Gestern haben wir unseren letzten Abend in der Traumstadt London verbracht. Es war wirklich eine aufregende Zeit dort, wenn sie auch durchaus noch hätte länger sein können. Gestern Morgen fuhren wir mit dem Taxi zum Bahnhof. Im Zug spielten wir obligatorisch wieder ein paar Runden Uno. Diesmal hat Finn sogar eine davon gewonnen. Nur 3 Stunden später eroberten wir Frankreich.

Ich war total aufgeregt. Schließlich war ich noch nie in Paris, das auch liebevoll als „Stadt der Liebe“ bezeichnet wird. Ob die Stadt wirklich so romantisch ist, wie jeder sagt?, habe ich mir gedacht. Was ich bisher gesehen habe, hat mich definitiv überzeugt. Was ich über Frankreich wusste, war, dass die Franzosen Froschschenkel verspeisen, was mir allein bei dem Gedanken schon eine Gänsehaut verpasst. Zudem sollen die Franzosen sehr arrogant sein. Aber die französische Sprache klingt einfach wundervoll.

Wir hatten Glück! Finn und ich mussten keine Froschschenkel in Aspik essen und nur wenige der Franzosen kamen wirklich überheblich rüber. Die meisten waren ausgesprochen nett und hilfsbereit. Als wir fragten, wo man einen guten Wein trinken könne, hieß die Antwort prompt, dass wir unbedingt das „Le Rubis“ besuchen sollten, dort würde es den besten Wein der Stadt geben. Dabei handelt es sich um eine Weinbar. Wie wir später feststellen konnten, wurden wir nicht enttäuscht und der Wein war ausgezeichnet. Zum guten Tropfen bestellten wir noch eine Käseplatte, die ebenfalls sehr lecker war. Danach sahen wir uns die Stadt noch ein wenig an und planten den morgigen Tag. Im Hotel angekommen, inspizierte ich das Bad, wo ich eine riesige Badewanne vorfand. Finn und ich haben also, bevor wir bald ins Bett fallen, noch einen aufregenden Plan. Unbeding müssen wir auch noch das perfekte Motiv für ein Foto besuchen – den Eiffelturm.

In London ticken die Uhren anders

Abends waren wir noch in einer Bar und haben ein paar Cocktails getrunken, die es ganz schön in sich hatten. Im Gegensatz zu Lea war ich heute Morgen schon recht früh fit. Lea ist erst später aufgestanden und sah ziemlich verkatert aus. Sie sprang erst mal unter die Dusche, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Sie brauchte ziemlich lange und ich fragte, ob sie denn bald fertig sei. In dem Moment kam sie schon mit einem Handtuchturban auf dem Kopf und in ein Handtuch gehüllt aus dem Bad.

Lea bekommt jedes Mal, wenn sie etwas fotografiert eine ganz helle Stimme und quiekt: „Oh, wie schön, was für ein tolles Motiv! Perfekt!“ Auf dem Tisch lag ihre Kamera. Ich äffte sie nach und schoss ein Foto von ihr, während sie mir einen mahnenden Blick zuwarf. Dann stolzierte sie wie ein Model auf mich zu. „Ja, zeig der Kamera, dass du sie liebst“ ,witzelte ich. Lea stand nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt, als ihr das Handtuch vom Körper rutschte. Nun stand sie völlig nackt in ihrer ganzen Schönheit vor mir und lächelte. Ich reichte ihr die Hand und zog sie näher zu mir. Sie kletterte auf meinen Schoß, schlang ihre Arme um mich und flüsterte mir ein paar liebe Worte zu, bevor sie mich küsste. Der Rest unterliegt der Zensur und bleibt Lea und mein süßes Geheimnis. Nach unserem kleinen morgendlichen Abenteuer waren wir hellwach und hungrig. Wir frühstückten noch eine Kleinigkeit und machten uns dann auf zum Uhrenmuseum.

Lea hat bereits eine beeindruckende Uhrensammlung, aber mit dem Clockmaker`s Museum kann sie nicht mithalten. Das Londoner Uhrenmuseum beherbergt die älteste Uhrensammlung der Welt. Mehr als 700 Uhren können dort besichtigt werden. Der Eintritt ins Clockmaker`s war kostenlos, was uns natürlich zu Gute kam, wo wir doch bereits in den anderen Städten so viel Geld fürs Shoppen ausgegeben haben und London auch noch auf uns wartete. Das Uhrenmuseum gehört zur Clockmakers Company, die zusätzlich auch eine Bibliothek beherbergt. Ein Großteil der Bücher stammt von britischen Uhrmachern, die wirklich wahre Meisterwerke geschaffen haben wie man im Museum sehen konnte. Große Standuhren, Taschenuhren, Armbanduhren soweit das Auge reicht und dabei war eine Uhr schöner als die andere. Lea war hin und weg und hätte am liebsten das eine oder andere Modell mitgenommen.

Nach unserem Museumsbesuch gingen wir erst mal ausgiebig shoppen. Natürlich kauften wir auch zwei „I love London“-Shirts sowie etliche Souvenirs für uns, die engsten Freunde und die Familie. London ist wirklich eine atemberaubende Stadt. Überall verrückte Leute und irrsinnig schöne Plätze und Sehenswürdigkeiten. Wir werden die Stadt bestimmt irgendwann noch mal besuchen. Morgen schon verbringen wir schweren Herzens unseren letzten Abend in London und dann geht es auf ins vermutlich romantischste Land der Welt.