Without vinegar oder schallendes Gelächter

Den Sonntag verbrachten wir  in Leipzig. Wir besuchten einige für uns interessante Museen und besichtigten imposante Bauwerke wie das Reichsgerichtsgebäude. Finn wollte unbedingt noch in das Sportmuseum und ich wollte in das Museum der Bildenden Künste. Also besuchten wir sie beide. Das Museum der Bildenden Künste hat mir wirklich beinah den Atem geraubt. Dort gab es eine extrem umfangreiche Bildersammlung vom späten Mittelalter bis hin zur Moderne. Wirklich sehr beeindruckend. Doch dann war es auch schon wieder an der Zeit, dass wir uns vom schönen Leipzig verabschieden mussten. Natürlich hatte der Zug mal wieder Verspätung und das, wo ich doch so ungeduldig bin. Wir hatten einen Zug mit Schlafwagen gebucht und schliefen während der zwölfstündigen Fahrt erst mal aus. Ich muss sagen, dass ich sehr schlecht geschlafen habe.

Gestern Morgen kamen wir in London an. Finn und ich waren irre hungrig und beschlossen, ein typisch englisches Gericht zu und zu nehmen. Fish & Chips standen auf dem Speiseplan. Finn liebt dieses Gericht. Ich würde es auch mögen, wenn da nicht die Sache mit dem Essig wäre. Ich überlegte, ob es frech wäre, die Chips „typisch deutsch“ zu bestellen. Wir betraten einen Imbiss. An der Theke stand eine etwas bullige Frau, die ein wenig unfreundlich dreinblickte, wie ich fand. Nachdem ich bestellt hatte, erhellte sich ihr Gesicht und Sie brach in schallendes Gelächter aus, sodass ich im ersten Moment erschrak. Die Engländer haben nun einmal einen sehr trockenen Humor. Aber ihr Lachen war sehr ansteckend. Aber warum lachte die dralle Dame denn? Sie fand es urkomisch, dass ich meine Chips without vinegar, also ohne Essig bestellte. Sie grinste Finn an, der seine Chips in typisch englischer Manier geordert hatte. Scheinbar kommt es nicht oft vor, dass jemand Fish & Chips ohne Essig bestellt. Finn und ich haben noch den ganzen Tag über diese Situation lachen müssen. Ich freue mich schon besonders auf den morgigen Tag, dann geht’s nämlich ins Uhrenmuseum und natürlich zum Shopping.

Pictures from you in Leipzig

Der Aufenhalt in Berlin mit Lea war sehr anstrengend, aber auch spaßig. Dementsprechend fielen wir abends total kaputt ins Bett. Das war aber eigentlich auch gut so, sonst hätten wir den für Lea heute vermutlich aufregendsten Tag in Leipzig nicht überstanden. Neben ein bisschen Sightseeing, mussten wir natürlich Lea zuliebe auch das Kamera- und Fotografiemuseum besuchen. Lea liebt die Fotografie. Natürlich hatte sie auch ihre Kamera mit dabei und knipste, was das Zeug hält. Lea knippst auch ständig Freunde, die Familie und mich, was manchmal wirklich nerven kann. Sie hat, wenn es um Fotos geht, die Mentalität von Japanern. Die fotografieren auch alles, was ihnen vor die Linse läuft. So werden wir nach unserem Urlaub tausende Fotos von Berlin, Alkmaar, Leipzig usw. haben, um in Erinnerungen schwelgen zu können.

Im Kamera- und Fotografiemuseum in Leipzig werden auch Führungen angeboten. Der Eintritt ins Museum kostete 3,– Euro. Wir hätten gerne an einer Führung durchs Museum teilgenommen, aber leider wird diese erst ab einer Gruppe von 10 Personen angeboten. Wir waren frühzeitig im Museum und es waren noch nicht sehr viele Leute da, so dass wir den Museumsbesuch auf eigene Faust unternehmen mussten. Sonst hätten wir uns einfach einer Gruppe anschließen können.

Das Museum ist in einem wunderschönen Fachwerkhaus untergebracht, das sich über zwei Etagen erstreckt. Unzählige Kameras zierten die Räume. Kameras, die im Gegensatz zu den heutigen Digitalkameras, riesengroß erschienen. Die Räume waren sehr liebevoll gestaltet. Nicht nur historische Kameras luden dazu ein, besichtigt zu werden, sondern auch Fotografien. Besonders auffällig war jedoch eine riesige Reprokamera von Hoh und Hahne. Im Museum war ganz klar eine Linie zu erkennen, die die damalige Technik bis heute fortführt. Im ersten Stock finden wechselnde Fotoausstellungen statt. Die Fotos konnten uns, besonders Lea, genauso sehr beeindrucken wie die Kameras, worunter sehr bemerkenswerte Exemplare zu finden waren, unter anderem ein so genannter Stereogucker. Ich hatte von so einem Ding noch nie etwas gehört. Lea wusste mit diesem Begriff durchaus etwas anzufangen. Der Stereogucker zeigt zwei Bilder, die das menschliche Gehirn in ein 3D-Bild umwandelt, wie Lea mir erklärte. Im Grunde genommen handelt es sich dabei jedoch um eine optische Täuschung. Das Kamera- und Fotografiemuseum vereint gekonnt Technik und Kunst und ist in jedem Fall einen Besuch wert. Bald geht’s dann auf in die lebendige Stadt London.

Berlin ist bärenstark

Berlin ist bärenstark, wenn man von dem Zweiradmuseum absieht, habe ich mir gedacht. Die ganzen Shoppingmöglichkeiten und Plätze wie der Alex (Alexanderplatz), das Brandenburger Tor und all die anderen Sehenswürdigkeiten würden mich persönlich viel mehr interessieren, war mein Gedanke, als wir uns in Berlin Kreuzberg auf zum besagten Museum machten. Aber ich sollte positiv überrascht werden, wie ich später feststellte. Zuvor hatten wir eine ziemlich lange Zugfahrt von etwa 8 Stunden vor uns, die wir natürlich gut zu nutzen wussten. Ich hatte für den Fall der Fälle, das es doch mal längere Wartezeiten oder Fahrstrecken geben sollte, Reisespiele eingepackt. Wir entschlossen uns dazu,Uno zu spielen, was sehr amüsant war. Finn ist ein sehr ehrgeiziger Typ, der beim Uno einfach nicht verlieren kann. Und beim Uno gehe ich meistens als Sieger hervor. Dafür ist er im Schach unschlagbar. Nachdem er einige Runden verloren hatte, spielten wir also Schach und ich wurde gnadenlos abgezockt. Danach hatte sich Finns Stimmung auch wieder gebessert. Vorbei an Wiesen und Feldern kamen wir nach einer scheinbar nie enden wollenden Fahrt und ein paar Stunden Schlaf morgens in Berlin an. Dementsprechend bin ich jetzt gerade auch sehr müde. Das Museum öffnete erst um 10 Uhr. Also hatten wir noch Zeit, ein ausgiebiges Frühstück mit extra starkem Kaffee zu genießen. Nachdem wir genügend Kraft getankt hatten, ging es auf zum Zweiradmuseum, das sich in einem Hinterhof in der Nähe der Oberbaumbrücke befindet. So haben wir es uns selbstverständlich nicht nehmen lassen, die Aussicht von der Brücke aus zu genießen. Zunächst habe ich gedacht was ich wohl in dem Museum sollte, zumal mich Fahrräder sogar nicht interessieren und diese eher der Leidenschaft von Finn entsprechen. In dem Museum ging es jedoch nicht nur um Fahrräder. In einem Zweiradmuseum wird logischerweise alles gezeigt, was zwei Räder hat, wie ich feststellen musste. So gab es neben Fahrrädern auch viele liebevoll gepflegte Oldtimer-Motorräder. Unglaublich, die Motorräder, aber auch die Fahrräder waren derart gut gepflegt, als wären sie gerade erst gefertigt worden. Sehr interessant fand ich persönlich auch die Beiwagen. Finn war natürlich eher von den Fahrrädern angetan. Neben den Ausstellungsstücken konnte man dort auch noch ein Archiv mit Literatur zum Thema Zweiräder besichtigen. Im Anschluss gingen wir natürlich auch noch ausgiebig shoppen und aßen eine Currywurst.

Kulinarische Genüsse in Alkmaar

Alkmaar liegt etwa 50 Kilometer von Amsterdam entfernt, in der niederländischen Provinz Noord-Holland. Zunächst besuchten Lea und ich den legendären Käsemarkt dort. Wir hatten schon viel Gutes über ihn gehört und wollten ihn nun selbst mal besuchen. Und der Besuch hat sich echt gelohnt. Dort gab es wirklich viel zu sehen. Es fühlte sich ein wenig an, als würde man in die Vergangenheit entführt werden. Der Käsemarkt fand auf dem Marktplatz in Alkmaar statt. Über den ganzen Platz verbreitete sich der Duft von Käse. Dabei war das keineswegs so unangenehm wie an einer Käsetheke am Supermarkt, wo einem die Gerüche auch schon mal ganz schön nerven können.

Das Besondere hier ist, dass der Käse noch in alter Tradition verkauft wird. Der Alkmaarer Käsemarkt ist der einzige Käsemarkt in den Niederlanden, der diese bemerkenswerte Tradition beibehalten hat. Lea und ich haben wirklich gestaunt, wie viel auf dem Markt los war, und hatten einen irrsinnigen Spaß dabei, die Käseträger und das übrige Spektakel zu beobachten. Überall auf dem Marktplatz wuselten Menschen, lachten und freuten sich. Den Käsemarkt in Alkmaar muss man einfach gesehen haben, um ihn begreifen zu können.

Wir kamen schon sehr früh in Alkmaar an. Der Käsemarkt beginnt jedoch erst um 10.00 Uhr. So konnten wir die Verkäufer noch beobachten, wie sie den Markplatz für das Schauspiel vorbereiteten. Verrückt, dass man sich so viel Arbeit für nur einen Tag bzw. den Vormittag macht. Schließlich hat der Käsemarkt nur bis 12.30 Uhr geöffnet. Danach wird alles aufgeräumt und es scheint, als hätte eine derartige Aktion nie auf dem Marktplatz stattgefunden. Lea überlegte, wie viel so ein Käselaib wohl wiegt, als man die Teile aufeinander stapelte. Mich interessierte es eigentlich weniger. Ich konnte es kaum erwarten bis der Markt endlich losgeht.

Es war 10 Uhr, als eine Glocke ertönte. Damit war der Markt eröffnet und das Spektakel konnte beginnen. Plötzlich erwachte das Leben auf dem Markt. Lauter Käseträger wuselten mit großen Tragebahren aus Holz hin und her. Alle waren weiß gekleidet. Käufer begutachteten die Käsestapel und nahmen mit einem Werkzeug, das ähnlich aussieht wie ein Apfelentkerner, Proben aus dem Käse, um ihn zu probieren. Danach wurde der Käse beklopft. Scheinbar ist es möglich, die Reife des Käses durch das Beklopfen bzw. das Geräusch, das dadurch entsteht, zu bestimmen. Also ich könnte das nicht. Das können wohl nur wahre Käsekenner.

Bevor der Käse an den Mann gebracht wird, muss er gewogen werden. In Alkmaar gibt es eine Käseträgergilde. Nur Mitglieder dieser Gilde dürfen den Käse wiegen. Er wird dann von den Mitgliedern der Käseträgergilde zu einer riesigen Waage getragen. Die befindet sich im Erdgeschoss der Stadtwaage. Der Weg zur Waage ist recht kurz, aber man kann erahnen, wie anstrengend das Käsetragen sein muss. Nachdem der Käse gewogen wurde, kann man die Käufer dabei beobachten, wie sie mit den Verkäufern verhandeln. Es ist beinahe wie auf einem türkischen Basar, also sehr lebhaft und teilweise amüsant.

Später haben Lea und ich einen Holländer kennen gelernt, der sehr gut Deutsch sprechen und uns etwas mehr über den Käsemarkt erzählen konnte. Er erklärte uns, dass die Käseträger während des Käseverkaufs (eigentlich ist es vielmehr eine Versteigerung) weder rauchen noch trinken dürften. Laut den Regeln der Käseträgergilde ist es den Käseträgern außerdem strengsten untersagt, Trinkgeld anzunehmen. Ob der Verstoß gegen diese Regel zum Ausschluss aus der Käseträgergilde führen würde, konnte er uns leider nicht beantworteten. Er verriet uns, dass die Käseträgergilde aus vier Gruppen besteht. Jede von Ihnen hat sieben Käseträger. Die einzelnen Gruppen sind an den jeweils unterschiedlich farbigen Hüten zu erkennen. Die vier Gruppen stehen unter dem Käsevater. Der Käsevater hat einen schwarzen Stock mit einem silbernen Knauf, an denen er zu erkennen ist.

In Alkmaar in der Stadtwaage ist neben der riesigen Käsewaage auch ein Käsemuseum untergebracht, das wir ebenfalls besuchten. Dort wird alles zur Herstellung von Käse erklärt. Darüber hinaus konnte man dort noch verschiedene Gegenstände besichtigen, die zur traditionellen Käseherstellung dienten. Dort hingen auch viele Gemälde und Bilder, die insbesondere Lea anzogen. Sie interessiert sich sehr für Kunst und Fotografie. Aber das Museum an sich war sehr schön. Es war ein sehr altes Gebäude, das ebenso sehenswert ist wie die Ausstellung selbst. Lea und ich beschlossen am nächsten Tag noch die Altstadt von Alkmaar zu besuchen. Danach wollen wir weiter nach Berlin.

Das fängt ja gut an

Endlich zwei Wochen Urlaub! Bahntrips nach London, Berlin, Leipzig und Frankreich stehen an. Und als erstes geht es nach Alkmaar in den Niederlanden. Aber statt sich auf unseren gemeinsamen Urlaub zu freuen, baggert Finn erstmal andere Frauen an. Das dachte ich zumindest.

Angekommen am Bahnhof, musste ich noch mal zur Toilette. Dort war eine endlos lange Schlange und ich musste ewig warten, bis ich endlich aufs Klo konnte. Als ich zurückkam, sah ich, wie Finn eine sehr attraktive Frau beobachtete. Er schien sehr angetan von ihr zu sein. Ich konnte spüren, wie mir die Zornesröte ins Gesicht stieg. Eifersucht ist ein hässliches Monster, das dich von innen auffrisst. So stiefelte ich hastigen Schrittes zu Finn, um ihn zur Rede zu stellen. Die Frau stand nur circa zwei Meter von Finn entfernt. Ich zog ihn beiseite und fragte ihn, warum er ständig anderen Frauen hinter herschauen müsse. Ich kriegte mich gar nicht mehr ein, so wütend war ich. Finn nickte in Richtung der Frau, grinste mich an und zog mich beiseite. Ich wollte wissen, was das soll, aber er legte seinen Finger an meine Lippen. Wir hatten noch ein wenig Zeit und gingen einen Kaffee trinken. Dort erzählte er, was passiert war.

Die Frau, die Finn beobachtet hatte, war mit ihrem Freund aus dem Urlaub gekommen und hatte sich ein wunderschönes Paar Schuhe gekauft, welche sie gerade trug. An dem Schuh war der Absatz abgebrochen und sie regte sich fürchterlich auf, als ihr Freund darüber zu lachen begann. Dann hatten sie sich gestritten und der Mann war weg gegangen. Die Frau stand barfuß da und schimpfte leise vor sich hin. Das hatte Finn belustigt. Und ich hatte es gar nicht bemerkt. Ich musste mich also bei Finn entschuldigen. Also nahm ich ihn in den Arm. „Die Frau ist ja auch gar nicht dein Typ“, sagte ich. Finn grinste mich frech und meinte, so schlecht habe sie nun auch nicht ausgesehen. Ich gab ihm einen sanften Klaps und er spielte den Ausgeknockten. Wir lachten. Dann kam der Zug und wir konnten endlich ab in den ersehnten Urlaub.

Auch eine Reise von tausend Meilen fängt mit dem ersten Schritt an

Dies ist das Reisetagebuch von Lea und Finn. Wir leben mit unseren 28 und 34 Jahre Jahren zurzeit in Hamburg und sind ein etwas verrücktes Paar, dass trotz hin- und wieder auftretender Differenzen, immer noch viel Spaß an unserer Liebe und an unseren erotischen Beisammensein hat. Doch auch das Reisen spielt in unserer beinahe vierjährigen Beziehung eine große Rolle.  Bei den Touren, die wir unternehmen, besuchen wir hauptsächlich  Orte und Gegenden die für ihre besonderen Spezialitäten und schönen Dinge bekannt sind. Auch wenn wir fast nur mit der Bahn unterwegs sind, ist uns dafür kein Weg zu weit. Zum Glück haben wir beide einträgliche Berufe, die uns zudem noch viel Freizeit lassen. Diese sehr zu schätzenden Voraussetzungen führen aber auch leider dazu, dass wir zugeben müssen in gewisser Hinsicht wahre Konsumjunkies geworden zu sein! Warum das so ist haben wir noch nicht herausbekommen. Es heißt ja, mit übermäßigen Konsum wird etwas Fehlendes kompensiert. Manchmal denken wir deshalb, dass wir einfach mal zuhause bleiben sollten, um heraus zu bekommen was das sein könnte. Aber irgendwie kriegen wir das einfach noch nicht hin, immer wieder ziehen uns die vielen verführerischen Dinge die es gibt in ihren Bann. Das gute dabei aber ist, dass wir beide, gerade wenn wir unterwegs sind, immer über sehr vieles miteinander sprechen können.

Jetzt also viel Spaß mit den Aufzeichnungen unseres Reisetagebuchs, das uns zu den Stätten und Regionen führt in denen es so einiges zu bestaunen gibt.