Aufstehen gegen Rassisten

Den Sonnabend verbrachte ich mit Finn an einem der wenigen schönen Badestrände von Saaba; diese Insel ist eben eher etwas für Menschen die den Tauchsport lieben. Einige Stunden waren wir hier allein und genossen es, uns hüllenlos den sehr warmen Sonnenstrahlen hinzugeben. Immer wieder erstaunte uns, mit was für einer unbändigen Wucht mächtige Wellen an das Ufer heranrollten. Finn meinte, dass das an einem Sturm liegen könnte, der draußen auf dem Meer wütete.

Ein Sturm ereignete sich auch am Abend, als wir wieder zurück waren und uns zusammen mit Dannys und seiner Crew zum Dinner einfanden. In dem Restaurant wo wir unsere Mahlzeiten einnahmen, gibt es einen jungen, sehr dunkelhäutigen Kellner namens Mbotto, der oft mit etwas stoischen Gesichtsausdruck unser Essen servierte. An diesem Abend bediente er am Nebentisch gerade eine Gruppe US-Amerikaner, die uns schon vorher unangenehm durch ihr lautstarkes Verhalten auffiel. Als Mbotto dabei war ihnen die Suppe zu servieren, hörten wir von einem aus der besagten Gruppe, einem breitschultrigen, rotgesichtigen  Stiernackentypen, die unverschämte Aufforderung: „Hey Blacky, lach doch mal, hier ist es doch bestimmt lustiger als im Urwald, aus dem du kommst“. Grölendes Gelächter am Nebentisch, Totenstille an unserem. Nach ein paar Schrecksekunden, zischte ich  ein empörtes und lautes „Asshole“ in Richtung des Rednecks. Für kurze Zeit war es nun auch am Nebentisch mucksmäuschenstill. Dann erhob sich das “Asshole“ von seinem Platz und baute sich mit der Frage, ob ich das was ich gesagt habe noch einmal wiederholen könne, drohend vor mir auf! Er hatte das letzte Wort noch nicht ganz ausgesprochen, da schnellten gleichzeitig Finn und Danny von ihren Plätzen, um ihm deutlich zu machen das es jetzt genug sei. Nun standen auch ein paar Typen vom Nebentisch mit auf. Und bald darauf standen wir alle, Finn, ich und sechs Leute von Dannys Crew, sowie der Stiernacken und seine drei Kumpels. Nur Blanche war an diesem Abend, weil es ihr nicht so gut ging, auf ihrem Zimmer geblieben. Zahlenmäßig waren wir also in der Überzahl, aber der Redneck sah aus wie ein Rambo. Was Danny nicht abhielt, ihm mitzuteilen, dass er ein „ugly Racist“ sei. Oweia, ich sah eine mächtige Keilerei auf uns zukommen! Und richtig, der Typ holte nun mit seiner stark behaarten Pranke zu einem Schwinger in Richtung unseres Gönners aus. Ich wollte schon weggucken, als ich mitbekam, dass Danny sehr elegant den ankommenden Schlag blockte und den Arm seines Kontrahenten, mittels eines Hebels, dazu verwendete ihn auf den Boden zu zwingen. Das ganze sah unglaublich geschickt, flink und gekonnt aus, dass allen bewusst wurde, hier ist jemand mit dem man sich besser nicht anlegen sollte.

Nachdem der blöde Typ, seinen verletzten Arm haltend und wild fluchend, von seinem Kumpels raus gebracht wurde, setzten wir uns alle wieder hin. An ein entspanntes Abendessen war nun nicht mehr zu denken. Unsere Runde vermied es noch groß über den Vorfall zu reden, stattdessen versuchten sich Dannys Leute über den am nächsten Tag stattfindenden Tauchgang abzustimmen.

Ich muss schon sagen, dass ich von Dannys Auftritt schwer angetan war, aber auch dass Finn mir umgehend zur Seite stand, fand ich süß. Als ich mit ihm wieder allein war, schwärmte ich etwas von unserem Gastgeber, aber nicht zu viel, sonst wäre mir mein Liebster noch eifersüchtig geworden.

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