Berlin ist bärenstark

Berlin ist bärenstark, wenn man von dem Zweiradmuseum absieht, habe ich mir gedacht. Die ganzen Shoppingmöglichkeiten und Plätze wie der Alex (Alexanderplatz), das Brandenburger Tor und all die anderen Sehenswürdigkeiten würden mich persönlich viel mehr interessieren, war mein Gedanke, als wir uns in Berlin Kreuzberg auf zum besagten Museum machten. Aber ich sollte positiv überrascht werden, wie ich später feststellte. Zuvor hatten wir eine ziemlich lange Zugfahrt von etwa 8 Stunden vor uns, die wir natürlich gut zu nutzen wussten. Ich hatte für den Fall der Fälle, das es doch mal längere Wartezeiten oder Fahrstrecken geben sollte, Reisespiele eingepackt. Wir entschlossen uns dazu,Uno zu spielen, was sehr amüsant war. Finn ist ein sehr ehrgeiziger Typ, der beim Uno einfach nicht verlieren kann. Und beim Uno gehe ich meistens als Sieger hervor. Dafür ist er im Schach unschlagbar. Nachdem er einige Runden verloren hatte, spielten wir also Schach und ich wurde gnadenlos abgezockt. Danach hatte sich Finns Stimmung auch wieder gebessert. Vorbei an Wiesen und Feldern kamen wir nach einer scheinbar nie enden wollenden Fahrt und ein paar Stunden Schlaf morgens in Berlin an. Dementsprechend bin ich jetzt gerade auch sehr müde. Das Museum öffnete erst um 10 Uhr. Also hatten wir noch Zeit, ein ausgiebiges Frühstück mit extra starkem Kaffee zu genießen. Nachdem wir genügend Kraft getankt hatten, ging es auf zum Zweiradmuseum, das sich in einem Hinterhof in der Nähe der Oberbaumbrücke befindet. So haben wir es uns selbstverständlich nicht nehmen lassen, die Aussicht von der Brücke aus zu genießen. Zunächst habe ich gedacht was ich wohl in dem Museum sollte, zumal mich Fahrräder sogar nicht interessieren und diese eher der Leidenschaft von Finn entsprechen. In dem Museum ging es jedoch nicht nur um Fahrräder. In einem Zweiradmuseum wird logischerweise alles gezeigt, was zwei Räder hat, wie ich feststellen musste. So gab es neben Fahrrädern auch viele liebevoll gepflegte Oldtimer-Motorräder. Unglaublich, die Motorräder, aber auch die Fahrräder waren derart gut gepflegt, als wären sie gerade erst gefertigt worden. Sehr interessant fand ich persönlich auch die Beiwagen. Finn war natürlich eher von den Fahrrädern angetan. Neben den Ausstellungsstücken konnte man dort auch noch ein Archiv mit Literatur zum Thema Zweiräder besichtigen. Im Anschluss gingen wir natürlich auch noch ausgiebig shoppen und aßen eine Currywurst.

Das fängt ja gut an

Endlich zwei Wochen Urlaub! Bahntrips nach London, Berlin, Leipzig und Frankreich stehen an. Und als erstes geht es nach Alkmaar in den Niederlanden. Aber statt sich auf unseren gemeinsamen Urlaub zu freuen, baggert Finn erstmal andere Frauen an. Das dachte ich zumindest.

Angekommen am Bahnhof, musste ich noch mal zur Toilette. Dort war eine endlos lange Schlange und ich musste ewig warten, bis ich endlich aufs Klo konnte. Als ich zurückkam, sah ich, wie Finn eine sehr attraktive Frau beobachtete. Er schien sehr angetan von ihr zu sein. Ich konnte spüren, wie mir die Zornesröte ins Gesicht stieg. Eifersucht ist ein hässliches Monster, das dich von innen auffrisst. So stiefelte ich hastigen Schrittes zu Finn, um ihn zur Rede zu stellen. Die Frau stand nur circa zwei Meter von Finn entfernt. Ich zog ihn beiseite und fragte ihn, warum er ständig anderen Frauen hinter herschauen müsse. Ich kriegte mich gar nicht mehr ein, so wütend war ich. Finn nickte in Richtung der Frau, grinste mich an und zog mich beiseite. Ich wollte wissen, was das soll, aber er legte seinen Finger an meine Lippen. Wir hatten noch ein wenig Zeit und gingen einen Kaffee trinken. Dort erzählte er, was passiert war.

Die Frau, die Finn beobachtet hatte, war mit ihrem Freund aus dem Urlaub gekommen und hatte sich ein wunderschönes Paar Schuhe gekauft, welche sie gerade trug. An dem Schuh war der Absatz abgebrochen und sie regte sich fürchterlich auf, als ihr Freund darüber zu lachen begann. Dann hatten sie sich gestritten und der Mann war weg gegangen. Die Frau stand barfuß da und schimpfte leise vor sich hin. Das hatte Finn belustigt. Und ich hatte es gar nicht bemerkt. Ich musste mich also bei Finn entschuldigen. Also nahm ich ihn in den Arm. „Die Frau ist ja auch gar nicht dein Typ“, sagte ich. Finn grinste mich frech und meinte, so schlecht habe sie nun auch nicht ausgesehen. Ich gab ihm einen sanften Klaps und er spielte den Ausgeknockten. Wir lachten. Dann kam der Zug und wir konnten endlich ab in den ersehnten Urlaub.

Auch eine Reise von tausend Meilen fängt mit dem ersten Schritt an

Dies ist das Reisetagebuch von Lea und Finn. Wir leben mit unseren 28 und 34 Jahre Jahren zurzeit in Hamburg und sind ein etwas verrücktes Paar, dass trotz hin- und wieder auftretender Differenzen, immer noch viel Spaß an unserer Liebe und an unseren erotischen Beisammensein hat. Doch auch das Reisen spielt in unserer beinahe vierjährigen Beziehung eine große Rolle.  Bei den Touren, die wir unternehmen, besuchen wir hauptsächlich  Orte und Gegenden die für ihre besonderen Spezialitäten und schönen Dinge bekannt sind. Auch wenn wir fast nur mit der Bahn unterwegs sind, ist uns dafür kein Weg zu weit. Zum Glück haben wir beide einträgliche Berufe, die uns zudem noch viel Freizeit lassen. Diese sehr zu schätzenden Voraussetzungen führen aber auch leider dazu, dass wir zugeben müssen in gewisser Hinsicht wahre Konsumjunkies geworden zu sein! Warum das so ist haben wir noch nicht herausbekommen. Es heißt ja, mit übermäßigen Konsum wird etwas Fehlendes kompensiert. Manchmal denken wir deshalb, dass wir einfach mal zuhause bleiben sollten, um heraus zu bekommen was das sein könnte. Aber irgendwie kriegen wir das einfach noch nicht hin, immer wieder ziehen uns die vielen verführerischen Dinge die es gibt in ihren Bann. Das gute dabei aber ist, dass wir beide, gerade wenn wir unterwegs sind, immer über sehr vieles miteinander sprechen können.

Jetzt also viel Spaß mit den Aufzeichnungen unseres Reisetagebuchs, das uns zu den Stätten und Regionen führt in denen es so einiges zu bestaunen gibt.