Ein Schloss für uns und unsere Freunde

Endich wurde es wieder ein wenig kühler, denn gestern Abend gingen über Berlin gewaltige Gewitter nieder. Nachdem Lea und ich im Hotel angekommen waren und wir uns die Zeit bis zum Abendessen damit vertrieben gemütlich einander aus dem alten Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ vorzulesen, brach ein Unwetter los, dass mit seinen grellen Blitzen und lauten Donnergetöse passend die expressionistische düstere Stimmung der Erzählung illustrierte.

Es war so angenehm, wieder von frischer Luft umweht zu werden, dass wir uns heute Morgen entschlossen dem Berliner Tiergarten einen Besuch abzustatten. Aber vorher wollten wir ins U-Bahn-Museum, das sich im U-Bahnhof Olympiastadion befindet. Heiter und beschwingt machten wir uns mit unseren Leihfahrrädern auf den Weg; was für eine Freude die Liebste in ihrem luftigen Sommerkleid auf dem Drahtesel radeln zu sehen!

Im U-Bahn-Museum konnten wir Europas größtes Stellwerk seiner damaligen Zeit bestaunen Alle Einrichtungen und Teile sind noch voll funktionsfähig. Die Herzen von Bahn-Liebhabern dürften höher schlagen, wenn das Hebelstellwerk, die Stromabnehmer oder Fahrsperreneinrichtung der U-Bahn-Tür demonstriert werden. Auf einer Schautafel wurden mit 1200 Lampen sämtliche Fahrstraßen, Signale, Weichen, und Standorte von Zügen angezeigt. Lea hätte so gerne auch eine Fahrt mit einer historischen U-Bahn gemacht, aber leider wird so etwas nur manchmal angeboten. Zumindest konnten wir einen historischen Eisenbahnwagen aus den 20ger Jahren bestaunen. Am meisten hat mich das Flair der Inneneinrichtung dieses alten Wagen beeindruckt, es ist nicht zu vergleichen mit den seelenlosen Waggons die wir heute haben.

Wir hatten uns für heute vorgenommen, auch dem Berliner Tiergarten einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg dorthin, ist mir ein kleines Missgeschick passiert. Als ich mein geliehenes Fahrrad zwischen zwei hintereinander geparkte Fahrzeuge durchschieben wollte, bin ich ins Straucheln geraten und landete so blöd mit dem Lenker auf der Motorhaube eines schicken BMWs, dass ich einen dicken Kratzer verursachte. Zum Glück kam bald die Besitzerin des Fahrzeugs; so dass Lea und ich nicht auch noch Ewigkeiten warten oder gar die Polizei anrufen mussten. Ich erklärte ihr, dass für die Fahrräder, mit denen wir unterwegs waren, auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Sie war beruhigt und nahm den kleinen Vorfall ganz gelassen, für unseren Aufenthalt in Berlin gab sie uns so gar noch ein paar Tipps, was wir hier unternehmen könnten.

Weiter ging es endlich zum Berliner Tiergarten. Er ist die grüne Lunge dieser Stadt und eine große Freizeitstätte. Gerade am Wochenende treffen sich die Berliner und die Gäste in diesem Naturpark zur Erholung. Auf einer Fläche von 3 qkm können einige Sehenswürdigkeiten und Denkmäler besucht werden, darunter auch das Schloss Friedrichsfelde. Wenn ich so ein Prachtbau sehe, denke ich immer, wie toll das sein muss, in so einem Gebäude mit all seinen Freunden und Freundinnen in einer WG zusammen zu leben. Für mich käme eine Wohngemeinschaft nur deshalb dort in Frage, weil ich mit Lea die Möglichkeit eines eigenen Refugium hätte.

Als sich langsam die Sonne verabschiedete, gab es noch ein reizvolles Erlebnis, dass wir uns nicht entgehen lassen wollten. Zum Abschluss unseres Tages machten wir einen Besuch im Gaslaternen Freilichtmuseum, dass sich ebenfalls im Tiergarten zu finden ist. Über 90 historische Gaslaternen aus ganz Europa sorgen hier für eine gefühlsbetonte Stimmung und ist einzigartig in Europa. Das war genau das richtige für unsere romantische Ader. Hand in Hand schlenderten wir sentimental berührt über die illuminierten Wege, lauschten dem Zirpen der Grillen, schauten uns tief in die Augen – und kämpften zwischendurch immer wieder mit der ein oder anderen Mücke…

Kommentare sind geschlossen.