Eine ungewöhnliche Begegnung

Heute widerfuhr uns eine sehr ungewöhnliche Begegnung. Schon bei den ersten beiden Tauchgängen, die wir in einer Gruppe mit vier anderen Reisenden machten, stellten wir fest, dass kaum Fische zu sehen waren. Wir waren sehr enttäuscht, da hatten wir mehr erwartet. Mehr erwartet hatte auch Danny, der, wie er uns bei einem Drink an einer Strandbar erzählte, extra aus Kanada hier her gereist war, um die Caretta carreta zu filmen. Der Typ ist durch eine Erbschaft stinkreich geworden und versucht sich, damit es ihm nicht langweilig wird, seit ein paar Jahren als Produzent von Naturdokumentationen. Wir verbrachten mit ihm einen recht kurzweiligen Nachmittag, bei dem er uns ein paar spannende Geschichten erzählte, die er bei seinen Exkursionen zu seltenen Tierarten erlebte. Ich war erst ein wenig skeptisch, ob dieser smarte Kanadier nicht vielleicht ein Hochstapler war, der uns einen Bären aufbindet.

Unter dem Vorwand, mir neues Sonnenschutzmittel besorgen zu müssen, bin ich kurz in ein Internetcafe gegangen und habe seinen Namen gegoogelt. Und richtig, da wurde er mit Bild und Lebenslauf als einer in Nordamerika bekannter Naturfilmer aufgeführt.

Als ich zurück kam, sah ich ihn schon von weiten im intensiven Gespräch mit Lea. Da ich meine Liebste sehr gut kenne, weiß ich auch, dass dieser Danny zu der Sorte Männer gehört die sie interessieren. Je näher ich an die Bar wieder herankam, desto deutlicher war für mich Leas Flirtlächeln zu sehen. Zum Glück, brauche ich mir darüber keine Gedanken machen, in ähnlichen Situationen konnte ich mir ihrer Liebe letztendlich immer sicher sein. Ich finde ich es sehr reizvoll, wenn andere Männer sich für sie interessieren, auch als Bestätigung, mit was für einer tollen Frau ich doch zusammen bin.

Blöderweise hatte ich vergessen mir alibimäßig ein Sonnenschutzmittel zu besorgen. So musste ich vorgeben, dass ich es wohl an der Kasse liegen gelassen habe. Also bin ich wieder los. Doch als ich dann zurück kam waren die beiden nicht mehr zu sehen! Oha, das kannte ich nun nicht. Ich fühlte mich ein bisschen wie ein begossener Pudel, mit dem überflüssigen Sonnengel in der Hand. Auch als ich die nähere Umgebung abgesuchte, war von Lea und dem Typen weit und breit nichts zu sehen. Nun schlug mein Herz doch etwas schneller. Verdammt noch mal, wo waren die beiden denn abgeblieben!?

Dann hörte ich auf einmal in der Ferne Lea rufen, „Huhu Fiiinn, hier sind wir“. Ich blickte zum Wasser und sah sie und Danny ziemlich weit draußen, in der Nähe einer Boje, mir freudig zuwinken. Erleichtert aber auch angesäuert winkte ich zurück. Ich dachte laut: „Na habt ihr Spaß? Ich nicht!“

Wie sich herausstellte hatten die beiden gewettet, wer als erster bei der Boje ist. Für Lea, die früher ausgiebig Schwimmsport betrieben hatte, war es keine Kunst diese Wette zu gewinnen. Was sie dadurch allerdings gewonnen hatte, war unfassbar! Danny hatte für diesen Fall versprochen, uns am Sonntag  mit seinem Privatjet mitzunehmen, zu seinen nächsten Filmaufnahmen, nach Saba, einer Antilleninsel und Tauchparadies in der Karibik!

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