Kulinarische Genüsse in Alkmaar

Alkmaar liegt etwa 50 Kilometer von Amsterdam entfernt, in der niederländischen Provinz Noord-Holland. Zunächst besuchten Lea und ich den legendären Käsemarkt dort. Wir hatten schon viel Gutes über ihn gehört und wollten ihn nun selbst mal besuchen. Und der Besuch hat sich echt gelohnt. Dort gab es wirklich viel zu sehen. Es fühlte sich ein wenig an, als würde man in die Vergangenheit entführt werden. Der Käsemarkt fand auf dem Marktplatz in Alkmaar statt. Über den ganzen Platz verbreitete sich der Duft von Käse. Dabei war das keineswegs so unangenehm wie an einer Käsetheke am Supermarkt, wo einem die Gerüche auch schon mal ganz schön nerven können.

Das Besondere hier ist, dass der Käse noch in alter Tradition verkauft wird. Der Alkmaarer Käsemarkt ist der einzige Käsemarkt in den Niederlanden, der diese bemerkenswerte Tradition beibehalten hat. Lea und ich haben wirklich gestaunt, wie viel auf dem Markt los war, und hatten einen irrsinnigen Spaß dabei, die Käseträger und das übrige Spektakel zu beobachten. Überall auf dem Marktplatz wuselten Menschen, lachten und freuten sich. Den Käsemarkt in Alkmaar muss man einfach gesehen haben, um ihn begreifen zu können.

Wir kamen schon sehr früh in Alkmaar an. Der Käsemarkt beginnt jedoch erst um 10.00 Uhr. So konnten wir die Verkäufer noch beobachten, wie sie den Markplatz für das Schauspiel vorbereiteten. Verrückt, dass man sich so viel Arbeit für nur einen Tag bzw. den Vormittag macht. Schließlich hat der Käsemarkt nur bis 12.30 Uhr geöffnet. Danach wird alles aufgeräumt und es scheint, als hätte eine derartige Aktion nie auf dem Marktplatz stattgefunden. Lea überlegte, wie viel so ein Käselaib wohl wiegt, als man die Teile aufeinander stapelte. Mich interessierte es eigentlich weniger. Ich konnte es kaum erwarten bis der Markt endlich losgeht.

Es war 10 Uhr, als eine Glocke ertönte. Damit war der Markt eröffnet und das Spektakel konnte beginnen. Plötzlich erwachte das Leben auf dem Markt. Lauter Käseträger wuselten mit großen Tragebahren aus Holz hin und her. Alle waren weiß gekleidet. Käufer begutachteten die Käsestapel und nahmen mit einem Werkzeug, das ähnlich aussieht wie ein Apfelentkerner, Proben aus dem Käse, um ihn zu probieren. Danach wurde der Käse beklopft. Scheinbar ist es möglich, die Reife des Käses durch das Beklopfen bzw. das Geräusch, das dadurch entsteht, zu bestimmen. Also ich könnte das nicht. Das können wohl nur wahre Käsekenner.

Bevor der Käse an den Mann gebracht wird, muss er gewogen werden. In Alkmaar gibt es eine Käseträgergilde. Nur Mitglieder dieser Gilde dürfen den Käse wiegen. Er wird dann von den Mitgliedern der Käseträgergilde zu einer riesigen Waage getragen. Die befindet sich im Erdgeschoss der Stadtwaage. Der Weg zur Waage ist recht kurz, aber man kann erahnen, wie anstrengend das Käsetragen sein muss. Nachdem der Käse gewogen wurde, kann man die Käufer dabei beobachten, wie sie mit den Verkäufern verhandeln. Es ist beinahe wie auf einem türkischen Basar, also sehr lebhaft und teilweise amüsant.

Später haben Lea und ich einen Holländer kennen gelernt, der sehr gut Deutsch sprechen und uns etwas mehr über den Käsemarkt erzählen konnte. Er erklärte uns, dass die Käseträger während des Käseverkaufs (eigentlich ist es vielmehr eine Versteigerung) weder rauchen noch trinken dürften. Laut den Regeln der Käseträgergilde ist es den Käseträgern außerdem strengsten untersagt, Trinkgeld anzunehmen. Ob der Verstoß gegen diese Regel zum Ausschluss aus der Käseträgergilde führen würde, konnte er uns leider nicht beantworteten. Er verriet uns, dass die Käseträgergilde aus vier Gruppen besteht. Jede von Ihnen hat sieben Käseträger. Die einzelnen Gruppen sind an den jeweils unterschiedlich farbigen Hüten zu erkennen. Die vier Gruppen stehen unter dem Käsevater. Der Käsevater hat einen schwarzen Stock mit einem silbernen Knauf, an denen er zu erkennen ist.

In Alkmaar in der Stadtwaage ist neben der riesigen Käsewaage auch ein Käsemuseum untergebracht, das wir ebenfalls besuchten. Dort wird alles zur Herstellung von Käse erklärt. Darüber hinaus konnte man dort noch verschiedene Gegenstände besichtigen, die zur traditionellen Käseherstellung dienten. Dort hingen auch viele Gemälde und Bilder, die insbesondere Lea anzogen. Sie interessiert sich sehr für Kunst und Fotografie. Aber das Museum an sich war sehr schön. Es war ein sehr altes Gebäude, das ebenso sehenswert ist wie die Ausstellung selbst. Lea und ich beschlossen am nächsten Tag noch die Altstadt von Alkmaar zu besuchen. Danach wollen wir weiter nach Berlin.

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