Pulsierendes Leben in alten Höfen

Beim Frühstück gab es Knatsch mit Lea, denn sie wollte unbedingt dem KDW, dem Kaufhaus des Westens, einen Besuch abstatten und Shoppen gehen. Mich hingegen interessierten mehr die Hackeschen Höfe, bei denen man Kunst und Kultur erleben kann. Sie meinte, wir würden viel häufiger machen was ich will. Diese Behauptung konnte ich nun gar nicht nachvollziehen, denn meistens wollen wir doch das gleiche. Nur auf Shoppen hatte ich heute absolut keine Lust. Ich sagte ihr, dass zu häufige Einkaufstrips ein Zeichen für innere Unzufriedenheit sind. Das fand Lea nun gar nicht witzig, und schon war der Zoff da. Wir haben dann aber doch noch vernünftig miteinander reden können, schließlich kam sie auch zu der Ansicht, dass zu konsumistisches Verhalten schon was mit Frustration und Ersatzhandlung zu tun haben kann. Sie erzählte dann sogar von einem Beispiel, als ihr Chef ihr mal richtig Scherereien gemacht hat. Statt ihm zu sagen was Sache ist, fuhr sie aus Ärger über die Anmache ins nächste Kaufhaus und hat Dinge gekauft mit denen sie später kaum was anfangen konnte. Ich bin froh, dass ich mich mit Lea so gut wie nie lange streite, irgendwie kommen wir fast immer recht bald wieder auf einen Nenner, auch wenn sie keineswegs zu denjenigen gehört, die nur der Harmonie wegen, klein beigibt. Schließlich haben wir uns so geeinigt, dass wir dem KDW schon noch einen Besuch abstatten wollen, heute uns aber erstmal die Hackeschen Höfe angucken wollen.

So fuhren wir, diesmal wieder mit den Fahrrädern, nach Berlin Mitte, wo sich unweit des Alexanderplatzes die 1906 erbaute und erst 1997 sanierte stadtbekannte Gewerbe- und Wohnhofanlage befindet. Angesagt ist hier Leben, Arbeiten und Kultur. Das erste was uns auffiel, waren die schönen noch erhaltenen Jugendstilfassaden und farbenprächtige Klinkersteine die in einige Fassaden eingelassen wurden. Hinter den Fassaden befinden sich teilweise alte Fabriketagen, die heute von Kreativen als Büros genutzt werden. In so einer Umgebung lässt sich bestimmt gut arbeiten. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass mir die vielen Touristen, die hier auftauchen, mit der Zeit auf den Wecker gehen könnten. Lea meinte, sie würde es toll finden nach der Arbeit gleich hier in eines der Restaurants, Clubs, und Bistros gehen zu können, oder ins Varieté Chamäleon, das sich ebenfalls in diesem flirrenden Komplex befindet. Als sie vom Varieté sprach, fing sie auch gleich wieder an zu schwärmen, von alten Zeiten, in denen sie als Schauspielschülerin die „Bretter die die Welt bedeuten“ erobern wollte. Schade eigentlich, dass das nie wirklich geklappt hat. Eine Freundin, die Schauspielerin ist, würde mir auch gefallen! Als ich ihr das mal gesagt hatte, meinte sie etwas schnippisch, „dann such dir doch eine“.

Während des Mittagsessens, in einem der dortigen Restaurants, erzählte uns einer der Anwohner, dass die Nazis die Höfe mit ihren Wohnungen, Läden, Festsälen, und Bordellen verabscheuten. Der damalige Eigentümer wurde enteignet und die 179 jüdischen Mieter und Gewerbetreibenden deportiert und von der SS ermordet. Die Hackeschen Höfe selbst, überstanden die Bombenangriffe des zweiten Weltkriegs fast unbeschädigt.

Für den Nachmittag schlug Lea einen Besuch in der Unterwasserwelt von  „Sea Life Berlin“ mit seinem AquaDom vor, das sich nur wenige hundert Meter von unserem ersten Ausflugsziel befand.

Auch wenn wir eine ganze Weile an der Kasse anstehen mussten, hat sich der Besuch gelohnt. Hier gibt es einen packenden Rundgang, der von der Quelle der Spree bis in den Atlantic führt. Über 30 verschiedene Becken bieten staunende Einblicke in die unterschiedlichen Unterwasserwelten, mit einer Vielzahl von Fischen in allen Größen und Farben. In einem dieser Becken konnte wir auch einen Taucher sehen, der die Fische fütterte. Lea kam dabei auf die Idee, dass wir nach unserem Berlintrip, der morgen zu Ende geht, doch noch irgendwo am Mittelmeer einen kleinen Tauchurlaub machen könnten. Auch ich fand ihre Idee gut, sagte aber, dass wir das nur machen sollten, wenn wir einen günstigen Lastminute-Flug ergattern können.

Zum Abschluss unseres Aufenthalts im „Sea Life“ fuhren wir mit einem Aufzug durch den gigantischen gläsernen Schacht des 25 Meter hohen und 11 Meter breiten zylindrischen AquaDoms, der gefüllt sein soll mit einer Million Liter Meerwasser. Es war ein echter Höhepunkt für uns, auf diese Weise durch die mannigfaltigen exotischen Fischschwärme und eigenartigsten Unterwasserlandschaften zu gleiten. Es bestärkte uns sehr, uns schon bald auf den Weg zu einem schönem Tauchgefilde zu machen.

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