Vom Bad ins Mittelalter

Auch wenn Finn es ein wenig dekadent findet, habe ich ihn heute Morgen wieder dazu bekommen gemeinsam mit mir im Bett zu frühstücken. Ich finde es einfach herrlich den Tag so beginnen zu können. Obwohl ich mir auch noch eine andere Art vorstellen kann, gut in den Tag zu starten…

Da wir beide einen Hang zu schönen Badzubehör haben, hatten wir uns für heute Vormittag vorgenommen einem Designer-Bäderstudio, das gar nicht weit von unserem Hotel entfernt war, einen Besuch abzustatten. Dort, so sagte man uns, gäbe es sehr schöne Badmöbel, die nicht überall zu finden wären. Denn nichts langweilt Finn und mich mehr als 0815 IKEA Schnickschnack. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Im Geschäft war ein wirklich überwältigendes Angebot an faszinierenden Badaccessoires und Badezimmermöbel. Futuristisch aussehende Badewannen und Duschkabinen, die Finn gleich an seinen Lieblingsfilm „Uhrwerk Orange“ (ich finde diesen Film einfach nur furchtbar) erinnerten oder Badheizkörper und Armaturen, die aus einem Science Fiction Film hätten stammen können, erwarteten uns. Sehr beeindruckt haben mich auch die Antikmöbel im Barockstil. Wie faszierend wäre es, bei Betreten des Badezimmers einen kleinen Zeitsprung zu machen. Am meisten angetan war ich dann aber doch von einer großen Holzbadewanne, im Stil eines Fasses und einer in der gleichen Art fabrizierten Doppeldusche. Ob ich Finn dazu überreden kann, dass wir Zuhause bald mal wieder das Bad renovieren sollten?

Noch inspiriert von unseren Besuch im U-Bahn-Museum, und weil es eine gute Möglichkeit ist eine Stadt wie Berlin aus der Alltagssicht ihrer Bewohner kenenzulernen, beschlossen wir für unsere Nachmittagsaktivitäten den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Im Westen dieser beeindruckenden Stadt liegt der Stadtteil Spandau und hier befindet sich die Zitadelle. Diese imposante Renaissancefestung ist eine auffallende Sehenswürdigkeit von Berlin. Wunderbar zwischen den Armen des Flusses Havel finden hier Gäste ein umfangreiches Programm vor. Die Besucher können diese Zitadelle das ganze Jahr besuchen, denn es existiert keine Schließzeit. Besonders interessant fanden wir, dass es in den alten Gemäuern in der kalten Jahreszeit über 10.000 Fledermäuse gibt, die diese Festung jedes Jahr als Winterquartier wählen. In einem Fledermausschauraum konnten wir uns über die Lebensweise dieser putzigen Tiere erkundigen. Auch ein Museum befindet sich in der Zitadelle, in der man laufend Ausstellungen über die Stadtgeschichte erleben kann. Finn war vor allem von dem ausgesprochen großen Kunstangebot in der Zitadelle angetan. Ich finde es immer so schön, wenn wir unsere unterschiedliche Sichtweise, über das was wir gerade sehen, austauschen können, auch wenn ich manchmal gar nicht nachvollziehen kann, wie er auf bestimmte Interpretationen gekommen ist.

Am Abend haben wir uns in dem geschichtsträchtigen Gewölbe der Zitadelle noch einen Gaumenschmaus der ausgefallenen Art gegönnt. In der „Zitadellen Schänke“ erlebten wir bei einem 7- gängigen Menü in urigen Ambiente, umgeben von Bänkelsängern, Gaukler und Hexen, die rustikale Küche des Mittelalters. Eine von den Hexen, die sich in Schauspielerin Manier, kurz auf seinen Schoß setzte und ihn dabei etwas umgarnte, hatte es Finn besonders angetan. Danach schielte er während des ganzen Abends immer wieder zu ihr hin. Ja, ich kenne doch den Geschmack von meinen Finn, denn diese Hexe war alles andere als hässlich.

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